Wirtschaftsinformatik · FH Aachen

Informations-management

Von Daten und Prozessen über IT-Service und Governance bis zu Sicherheit und KI – der ganze Stoff, erklärt, mit Karteikarten, Zuordnung und Quiz.

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Motivation & Grundbegriffe

Warum Informationsmanagement (fast) alles mitbestimmt

Hinter jeder App im Alltag steckt strukturiertes Informationsmanagement. Ohne funktioniert keine Cloud und keine KI im Unternehmen; mit gutem Management fallen Entscheidungen schneller und Kosten sinken.

Von Daten zu Entscheidungen

StufeBedeutungBeispiel
Datenrohe Fakten ohne Kontext„23 °C"
InformationDaten mit Bedeutung und Kontext„23 °C im Serverraum = kritisch"
WissenFähigkeit, sinnvoll zu handeln„Wir müssen die Kühlung hochfahren"

Information als Ressource

  • Alle Bereiche, die planen, steuern und kontrollieren, brauchen Informationen – sie gehören zu den wichtigsten Unternehmensressourcen.
  • Art und Qualität der Informationen gelten als kritische Erfolgsfaktoren und bestimmen die Leistungsfähigkeit.
  • Information gilt als Wirtschaftsgut, wenn Nachfrage besteht und sie knapp ist.
  • IT ist heute kritische Infrastruktur: fällt sie aus, stehen Bahn, Bank oder Online-Shop still.
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Management der Informationswirtschaft

Bedarf, Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht bringen

Ziel der Informationswirtschaft ist das Gleichgewicht zwischen Informationsbedarf und Informationsangebot – die richtige Information zur richtigen Zeit in der richtigen Qualität.

Bedarf, Nachfrage, Angebot

  • Informationsbedarf: die objektiv benötigte Information.
  • Informationsnachfrage: die tatsächlich angeforderte Information.
  • Informationsangebot: die verfügbare Information.
  • Der Informationsstand ist die Schnittmenge aller drei; ihn zu vergrößern ist das Ziel.

Informationen determinieren die Leistungsfähigkeit des Unternehmens und zählen damit zu den wichtigsten Ressourcen – neben den klassischen Elementarfaktoren Arbeit und Betriebsmittel.

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Management der Daten

Datenhierarchie, Datenarten, Datenmanagement

Datenmanagement umfasst die technischen und betrieblichen Aspekte, um Daten bereitzustellen und nutzbar zu machen – Grundlage für alle darüberliegenden Systeme.

Von Bit zur Datenbank

Bits und Bytes bilden elementare Daten. Mehrere davon werden zu einem Datensatz (Record) aggregiert, gleichartige Datensätze zu einer Datei, mehrere strukturierte Dateien zu einer Datenbank – oft als Tabellen dargestellt.

Datenarten nach Änderungshäufigkeit

Zustandsdaten (selten geändert)Abwicklungsdaten (häufig geändert)
Stammdaten – beschreiben Kernobjekte, bleiben konstantBewegungsdaten – beschreiben Vorgänge, entstehen laufend neu
Bestandsdaten – Mengen- und WertestrukturÄnderungsdaten – lösen Änderungen an Stammdaten aus

Aufgaben des Datenmanagements

Drei zentrale Aufgaben

  1. DM-Strategie definieren: welche Daten durch welche Systeme verwaltet werden.
  2. Verantwortung festlegen: wer welche Daten pflegt und erfasst.
  3. Daten bereitstellen: in abgestimmter, exakt definierter Form.
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Zustandsübergänge & Petri-Netze

Die Grundverfahren der Prozessmodellierung

Bevor Prozesse in BPMN modelliert werden, hilft das grundlegendste Werkzeug: das Zustandsübergangsdiagramm. Jede Ampel ist ein solcher Zustandsautomat.

Zustandsübergangsdiagramm

  • Das einfachste Verfahren zur Prozessmodellierung; es besteht ausschließlich aus Zuständen und deren Übergängen.
  • Jeder Übergang verbindet genau zwei Zustände und ist mit der auslösenden Aktivität beschriftet.
  • Formal ein Tripel aus Zuständen, Aktivitäten und Übergängen, mit definierten Start- und Endzuständen.

Petri-Netz

Ein Petri-Netz stellt Prozesszustände als Knoten (Stellen und Transitionen) und Kanten dar. Es bildet auch nebenläufige, parallele Abläufe präzise ab – dort, wo ein einfaches Zustandsdiagramm an Grenzen stößt.

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Management der Prozesse & BPMN

Geschäftsprozesse verstehen und modellieren

Ein Geschäftsprozess ist die inhaltlich abgeschlossene, zeitliche und sachlogische Folge von Aktivitäten zur Bearbeitung eines betriebswirtschaftlich relevanten Objekts.

Definition und Kernbegriffe

  • Das zentrale Objekt heißt prozessprägendes Objekt – etwa die Rechnung bei der Rechnungsprüfung.
  • Wesentliches Merkmal sind die Schnittstellen zu den Marktpartnern des Unternehmens.
  • Beispiele: Auftragsabwicklung, Streckengeschäft im Handel, Kreditvergabe in der Bank.

BPMN

Die Business Process Model and Notation ist die Standardnotation für Prozessmodelle, mit Ereignissen, Aktivitäten, Gateways und Sequenzflüssen.

Sechs Ebenen der Architektur

Prozesse liegen auf Ebene 1 des McKinsey-Architekturmodells:

EbeneInhalt
1 Geschäftsprozessewo Wertschöpfung für Kunden erfolgt
2 GeschäftsfunktionenFähigkeiten, die die Prozesse stützen
3 Anwendungen & DatenSysteme, die die Funktionen unterstützen
4 IT-Integrationsschichtverbindet die Anwendungen (Schnittstellen)
5 Infrastruktur-ServicesHardware und Basissoftware mit SLAs
6 Physische Infrastrukturdie konkrete Hardware am Standort
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Entscheidungsautomatisierung & DMN

Decision Model and Notation

Geschäftsprozesse enthalten Entscheidungen – sie beeinflussen den Ablauf (etwa an einem XOR-Gateway) und weisen Werte zu (etwa einen Rabatt). DMN modelliert diese Logik getrennt vom Prozess.

Warum Entscheidungen herauslösen?

Steckt die Entscheidung in Software oder im Kopf eines Beteiligten, bleibt unklar: Wie wird entschieden? Auf welcher Datenbasis? Wer ist verantwortlich? Wie lässt sie sich anpassen? DMN macht die Regeln explizit, prüfbar und änderbar.

Qualität von Entscheidungstabellen

  • Vollständigkeit: für jede mögliche Eingabekombination existiert eine Regel.
  • Konsistenz: keine zwei Regeln widersprechen sich bei derselben Eingabe.
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Prozessautomatisierung

POIS, BPMS und der BPM-Zyklus

Die Prozessautomatisierung ist die informationstechnische Änderungsmaßnahme im BPM-Zyklus: der Sollprozess wird durch ein IT-System umgesetzt.

Zwei Facetten der Prozessimplementierung

  • Informationstechnisch: (Neu-)Konfiguration oder Implementierung eines IT-Systems zur Unterstützung des Sollprozesses – das ist die eigentliche Prozessautomatisierung.
  • Organisatorisch/personell: Change Management, das die Arbeitsweise aller Beteiligten anpasst und Akzeptanz schafft.

Prozessorientierte Informationssysteme (POIS)

  • Domänenspezifisch: etwa ERP-Systeme, auf bestimmte Fachbereiche zugeschnitten.
  • Domänenunabhängig: Business Process Management Systeme (BPMS), die beliebige modellierte Prozesse ausführen, steuern und überwachen.
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Management des Anwendungslebenszyklus

Sechs Phasen und die Reifegradmessung

Anwendungen durchlaufen einen Lebenszyklus. Kosten, Nutzung und Nutzen sind in jeder Phase unterschiedlich ausgeprägt.

Die sechs Phasen

Entwicklung → Einführung → Wachstum → Sättigung/Reife → Rückgang → Abschaffung. In der Entwicklung entstehen hohe Kosten bei null Nutzung; erst mit Wachstum und Reife steigt der Nutzen.

CMMI – Reifegrad der Entwicklung

  • Capability Maturity Model Integration: ein Modell zur Messung des Reifegrads von Softwareentwicklungsprozessen.
  • Es definiert Prozessgebiete mit Zielen und Praktiken; Varianten für Produktentwicklung (DEV), Einkauf (ACQ) und Services (SVC).
  • Der Reifegrad wird per SCAMPI-Appraisal ermittelt und zertifiziert – ursprünglich, um Auftragnehmer zu bewerten.
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IT-Servicemanagement

Leistungsbündel, Service Assets, Outsourcing

IT-Services sind zweckmäßig abgegrenzte Leistungsbündel – die Summe aller IT-Leistungen und Komponenten, die für die Geschäftsprozesse des Kunden nötig sind.

Was steckt in einem IT-Service?

Konzeption von Anwendungen und Plattformen, Konfiguration und Inbetriebnahme von IT-Systemen, Entwicklung und Anpassung von Software, termingerechte Bereitstellung, Betrieb und Systembetreuung, Instandhaltung sowie Reporting über Verfügbarkeit und Nutzung.

Service Assets

FähigkeitenRessourcen
IT-Management, IT-OrganisationIT-Budget, IT-Infrastruktur
IT-Prozesse, IT-Wissen, MitarbeiterApplikationen, Information

Outsourcing und SLA

Wird ein Service extern vergeben, sind die zentralen Verhandlungsgrößen die Service Level Agreements – messbare Parameter wie Verfügbarkeit (z. B. 99 %) und Antwortzeit.

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IT-Governance & IT-Controlling

Entscheidungsrechte und Verantwortlichkeiten

IT-Governance bedeutet das Festsetzen von Entscheidungsrechten und Verantwortlichkeiten, sodass das gewünschte Verhalten beim Einsatz von IT unterstützt wird.

Fünf Entscheidungskategorien

IT-Prinzipien (Grundregeln des IT-Einsatzes), IT-Architektur (technische Vorgaben, Standardisierung), IT-Infrastruktur (gemeinsam genutzte Dienste), IT-Applikationen (gekaufte und eigene Anwendungen) sowie IT-Investition und Priorisierung (Höhe und Ort der Investitionen, Projektfreigaben).

Archetypen der IT-Entscheidung

Nach dem Grad der Zentralisierung: Geschäftsmonarchie und IT-Monarchie (zentral), IT-Duopol und föderales System (gemischt), feudales System und Anarchie (dezentral).

Zentrale gegen dezentrale Datenverarbeitung

ZentralDezentral
größere Hardwarefähigkeiten, bessere Lastverteilunggeringe Anfangskosten, bessere Skalierung
weniger Redundanz, höhere Datenintegritätinnovativer, autonome und motivierte Nutzer
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Management der Informationssicherheit

Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit

Ziel ist, Strukturen zu etablieren, die angemessenen Schutz gegen beabsichtigte Angriffe und unbeabsichtigte Ereignisse bieten. Verantwortlich ist der CISO.

Die drei Eckpfeiler

VertraulichkeitIntegritätVerfügbarkeit
Daten nur für einen bestimmten Personenkreis; keine Weitergabe an UnbefugteVollständigkeit, Unverfälschtheit und Konsistenz der Datenrichtige Daten zur richtigen Zeit in richtiger Menge am richtigen Ort

Wichtige Zusammenhänge

  • Größter Risikofaktor ist der Mensch; häufigstes Einfallstor sind Spam- und Phishing-Mails.
  • Vertrauen, Risiko und Sicherheit hängen systemisch zusammen: mehr Sicherheit senkt Risiko und stärkt Vertrauen.
  • Der Schutzaufwand sollte dem Wert der Daten entsprechen.
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Künstliche Intelligenz & Big Data

Lernarten, Business Intelligence, Datenschutz

Der Markt für Business-Intelligence- und Analysesoftware wächst stetig. KI und Big Data eröffnen Chancen – und werfen deutliche Datenschutzfragen auf.

Arten des maschinellen Lernens

  • Supervised learning: Lernen aus gelabelten Beispielen mit bekannter Zielgröße; das Modell lernt die Zuordnung und wendet sie auf neue Fälle an.
  • Unsupervised learning: Lernen ohne vorgegebene Zielgröße; das Verfahren sucht selbst Strukturen, etwa Cluster.

Business Intelligence

Der Begriff ist nicht eindeutig – er reicht von der Informationsverarbeitung für die Unternehmensleitung über Informationslogistik und Frühwarnung („Alerting") bis zum Data Warehouse. Grundelemente eines BI-Systems sind Dimensionen und Kennzahlen.

Big Data und Datenschutz

Aus Kaufmustern lässt sich Sensibles ableiten – im bekannten Beispiel eine Schwangerschaft, bevor sie öffentlich ist. Wer die digitalen Spuren vermeiden will, müsste sich verhalten wie jemand, der eine Straftat vertuscht. Das zeigt die Macht und die Grenzen von Big Data.

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Karteikarten

Antippen zum Umdrehen – erst selbst antworten, dann drehen

Denk die Antwort zuerst vollständig durch. Der Lerneffekt entsteht beim Abrufen, nicht beim Lesen.

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Was gehört zusammen?

Begriff nach rechts auf den Partner ziehen – oder beide nacheinander antippen

Diese Paare sind die inhaltlichen Brücken des Stoffs. Wer sie kennt, ordnet in der Klausur schneller richtig zu.

0 von 8 Paaren
Begriff
gehört zu
?

Quiz

15 Fragen quer durch den Stoff, mit Erklärung

Kreuze nur an, was du begründen könntest. So trainierst du das Verständnis, nicht das Raten.

0 richtig
⌥

Welches Werkzeug nehme ich?

Links die Situation wählen, rechts steht das passende Verfahren

In der Vorlesung steht nie dabei, welches Werkzeug gemeint ist. Diese Zuordnung von Situation zu Verfahren musst du selbst mitbringen.

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Stolperfallen

Die Verwechslungen, die in jeder Klausur Punkte kosten

Die meisten Fehler stammen aus einer kurzen Liste immer gleicher Verwechslungen. Geh sie vor der Klausur durch.

Grundbegriffe

  • Daten und Information gleichsetzen – erst mit Bedeutung und Kontext werden aus Daten Informationen.
  • Information pauschal als Wirtschaftsgut bezeichnen; das gilt nur bei Nachfrage und Knappheit.
  • Wissen mit Information verwechseln – Wissen ist die Handlungsfähigkeit, nicht die Information selbst.

Daten & Modellierung

  • Stamm- und Bewegungsdaten vertauschen: Stammdaten sind konstant, Bewegungsdaten entstehen laufend neu.
  • BPMN und DMN verwechseln – BPMN modelliert den Ablauf, DMN die Entscheidungslogik.
  • Ein Petri-Netz für ein simples Zustandsdiagramm halten; das Petri-Netz kann zusätzlich Nebenläufigkeit.

Betrieb & Governance

  • IT-Service und einzelne IT-Komponente verwechseln – der Service ist das ganze Leistungsbündel.
  • Das SLA als reinen Preis missverstehen; es regelt messbare Qualität wie Verfügbarkeit.
  • IT-Governance mit IT-Betrieb gleichsetzen – Governance regelt Entscheidungsrechte, nicht die Ausführung.

Sicherheit & KI

  • Nur an Technik denken – größter Risikofaktor der Informationssicherheit ist der Mensch.
  • Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit durcheinanderbringen.
  • Supervised und unsupervised learning verwechseln: mit Labels gegen ohne Labels.
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So lernst du das

Fünf Punkte, die den Unterschied machen

Denke in der Kette Daten – Information – Wissen

Diese drei Stufen sind das Rückgrat des ganzen Fachs. Wer sie an eigenen Beispielen durchspielt, ordnet fast jeden neuen Begriff mühelos ein – von Datenmanagement über BI bis KI.

Halte Ablauf und Entscheidung auseinander

BPMN beschreibt, was in welcher Reihenfolge passiert; DMN beschreibt, wie entschieden wird. Präg dir dieses Paar fest ein – es ist die häufigste Verwechslung und ein dankbares Prüfungsthema.

Nutze die Karteikarten themenweise

Filtere die Karteikarten auf ein Thema und arbeite es zu Ende, bevor du zum nächsten gehst. Kleine Portionen mit sofortigem Selbsttest bringen mehr als einmaliges Durchlesen der Folien.

Merke dir Modelle als feste Dreier und Sechser

Vieles kommt in klaren Gruppen: die drei Eckpfeiler der Sicherheit, die drei DM-Aufgaben, die sechs Phasen des Lebenszyklus, die sechs Architekturebenen. Wer die Anzahl kennt, merkt schnell, wenn ihm ein Punkt fehlt.

Simuliere die Prüfung mit dem Quiz

Mach das Quiz erst nach einem Thema und lies bei jeder Frage die Begründung – auch bei den richtigen. Die Fragen, bei denen du danebenlagst, zeigen dir genau, welches Kapitel du noch einmal brauchst.