Grundlagen & Marketing-Prozess
Marketing ist der Prozess, durch den Unternehmen Wert für Kunden schaffen und starke Kundenbeziehungen aufbauen, um im Gegenzug Wert von den Kunden zu erhalten.
Der Marketing-Prozess in fünf Schritten
Von der Analyse zum Ertrag
- Markt und Kundenbedürfnisse verstehen.
- Eine kundenorientierte Marketingstrategie entwerfen.
- Ein integriertes Marketingprogramm gestalten (die 4 P).
- Profitable Kundenbeziehungen aufbauen.
- Im Gegenzug Wert von den Kunden zurückgewinnen.
Bedürfnis, Wunsch, Nachfrage
- Bedürfnis: ein empfundener Mangel (z. B. Durst).
- Wunsch: ein durch Kultur und Person geformtes Bedürfnis (z. B. eine bestimmte Marke).
- Nachfrage: ein Wunsch, der durch Kaufkraft gedeckt ist.
Märkte verstehen
Am Anfang steht die Abgrenzung: Welchen Markt bearbeiten wir überhaupt? Die Definition entscheidet, welche Kunden und Wettbewerber ins Blickfeld geraten.
Der relevante Markt
- Die Abgrenzung sollte problemlösungsorientiert erfolgen – nach dem Kundenbedürfnis, nicht nur nach dem Produkt.
- Sie muss alle relevanten Kunden und Wettbewerber erfassen und darf weder zu spezifisch noch zu unspezifisch sein.
Prüffragen für eine gute Marktdefinition
Drei Fragen
- Welche Produkte und Wettbewerber gehören zum Markt? Werden alle relevanten Kunden und Wettbewerber erfasst?
- Welche Kunden erfasst die Definition? (Eine grobe Beschreibung reicht.)
- Fazit: Ist die Definition zu spezifisch, zu unspezifisch oder genau richtig?
Quantitative Marktanalyse
Sie beziffert Marktgröße, Marktpotenzial und Marktanteil und liefert die Zahlenbasis, um die Attraktivität eines Marktes oder Segments zu beurteilen.
Käuferverhalten & Marktforschung
Um Kunden zu bedienen, muss man verstehen, wie sie entscheiden. Marktforschung liefert die dafür nötigen Informationen.
Das Stimulus-Response-Modell
Marketing- und Umweltreize (Stimuli) treffen auf die „Black Box" des Käufers – seine Merkmale und seinen Entscheidungsprozess – und führen zu beobachtbaren Kaufreaktionen. Ziel der Marktforschung ist, in diese Black Box zu blicken.
Primär- gegen Sekundärforschung
| Primärforschung | Sekundärforschung |
|---|---|
| erhebt neue Daten eigens für die Fragestellung | nutzt bereits vorhandene Daten |
| genauer zugeschnitten, aber teurer und langsamer | schneller und günstiger, aber weniger passgenau |
| Befragung, Beobachtung, Experiment | Statistiken, Studien, interne Daten |
Marketing-Strategie
Die Strategie legt fest, mit welchen Produkten in welchen Märkten und mit welchem Vorteil das Unternehmen antritt.
Die Ansoff-Matrix
| Bestehende Produkte | Neue Produkte | |
|---|---|---|
| Bestehende Märkte | Marktdurchdringung | Produktentwicklung |
| Neue Märkte | Marktentwicklung | Diversifikation |
- Marktdurchdringung: das Potenzial mit bestehenden Produkten ausschöpfen.
- Marktentwicklung: bestehende Produkte in neue Märkte bringen.
- Produktentwicklung: neue Produkte für bestehende Märkte.
- Diversifikation: neue Produkte in neuen Märkten – am riskantesten.
Porters generische Strategien
Kostenführerschaft (günstigster Anbieter), Differenzierung (einzigartiger Nutzen) und Fokus (Konzentration auf eine Nische). Wer keine davon konsequent verfolgt, bleibt „stuck in the middle".
Porters Five Forces
Die Branchenattraktivität bestimmen fünf Kräfte: Rivalität der Wettbewerber, Verhandlungsmacht der Lieferanten und der Kunden sowie die Bedrohung durch neue Anbieter und durch Ersatzprodukte.
Wettbewerbsvorteil (USP)
Ein echter Wettbewerbsvorteil – die Unique Selling Proposition – ist für den Kunden bedeutsam, klar vom Wettbewerb abgehoben und für das Unternehmen verteidigbar.
Segmentierung, Targeting, Positionierung
STP ist die Kernlogik der Strategie: den Markt aufteilen, die richtigen Segmente auswählen und die Leistung im Kopf der Zielkunden verankern.
Die drei Schritte
- Segmentierung: Aufteilung des Marktes in Segmente, die homogen auf die Marketinginstrumente reagieren.
- Targeting: Auswahl der zu bedienenden Segmente nach Attraktivität und eigenen Fähigkeiten und Ressourcen.
- Positionierung: Verankerung der Leistung in den Köpfen der Zielkunden über ein klares Wertversprechen.
Positionierungsaussage
Sie fasst das beabsichtigte Wertversprechen zusammen – für wen, welcher Nutzen, wodurch differenziert – und bildet den Ausgangspunkt für die Gestaltung aller Marketinginstrumente.
Produkt (1. P)
Das erste P im Marketing-Mix umfasst alle Entscheidungen rund um das Leistungsangebot.
Die drei Ebenen eines Produkts
- Kernnutzen: welches Problem wird gelöst?
- Reales Produkt: Eigenschaften, Design, Marke, Qualität, Verpackung.
- Erweitertes Produkt: Zusatzleistungen wie Garantie, Service, Lieferung.
Sortiment und Lebenszyklus
- Erweiterungen einer Produktlinie heißen Line Extensions.
- Der Produktlebenszyklus – Einführung, Wachstum, Reife, Rückgang – verlangt in jeder Phase einen anderen Marketing-Mix.
Preis (2. P)
Der Preis ist das einzige der vier P, das direkt Erlöse erzeugt – alle anderen verursachen zunächst Kosten.
Die drei Ankerpunkte
- Kosten bilden die Preisuntergrenze.
- Der wahrgenommene Kundennutzen bildet die Preisobergrenze.
- Dazwischen orientiert sich der Preis am Wettbewerb.
Skimming gegen Penetration
| Skimming Pricing | Penetration Pricing |
|---|---|
| hoher Einstiegspreis, später gesenkt | niedriger Einstiegspreis |
| schöpft die zahlungsbereite Spitze ab | gewinnt schnell Marktanteil |
| braucht Markenstärke (z. B. Apple) | erschwert Wettbewerbern den Eintritt (z. B. Amazon) |
Promotion (3. P)
Die Kommunikationspolitik gestaltet alle Maßnahmen, die Informationen über das Angebot vermitteln und das Verhalten der Zielgruppen beeinflussen.
Gute Werbung beginnt mit einem Ziel
Am Anfang steht ein klares, zielgruppenorientiertes Ziel – erst danach Botschaft, Kanal und Gestaltung. Mögliche Ziele: Bekanntheit, Einstellung, Wettbewerbsprofilierung, Umsatz oder Marktanteil.
Der Kommunikationsmix
Klassische Werbung, Verkaufsförderung, Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations), persönlicher Verkauf und Direktmarketing werden zur integrierten Kommunikation aufeinander abgestimmt.
Place (4. P)
Die Distributionspolitik regelt, wie das Produkt vom Anbieter zum Kunden gelangt – und damit die Verfügbarkeit am richtigen Ort.
Vertriebskanäle
| Direkter Vertrieb | Indirekter Vertrieb |
|---|---|
| Hersteller verkauft ohne Zwischenstufe | Absatzmittler stehen dazwischen |
| eigener Shop, Website, Direktverkauf | Groß- und Einzelhandel |
Zur Distributionspolitik gehören außerdem die Wahl der Absatzmittler und die Logistik – zusammen entscheiden sie über Verfügbarkeit und Erreichbarkeit.
Beziehungen aufbauen (CRM)
Der letzte Schritt des Marketing-Prozesses: aus zufriedenen Kunden dauerhafte, profitable Beziehungen machen.
Was ist CRM?
Customer Relationship Management ist der Aufbau und die Pflege profitabler, langfristiger Kundenbeziehungen durch überlegenen Kundenwert und Zufriedenheit.
Warum Kundenbindung lohnt
- Bestandskunden zu halten ist meist günstiger, als Neukunden zu gewinnen.
- Gebundene Kunden kaufen wiederholt, sind weniger preissensibel und empfehlen weiter.
- Über die Zeit liefern sie einen höheren Kundenwert – das eigentliche Ziel des gesamten Prozesses.
Karteikarten
Denk die Antwort zuerst vollständig durch. Der Lerneffekt entsteht beim Abrufen, nicht beim Lesen.
Was gehört zusammen?
Diese Paare sind die inhaltlichen Brücken des Stoffs. Wer sie kennt, ordnet in der Klausur schneller richtig zu.
Alle Paare gefunden
Genau solche Zuordnungen – Begriff zu Definition, Strategie zu Kennzeichen – werden in der Prüfung abgefragt.
Quiz
Kreuze nur an, was du begründen könntest. So trainierst du das Verständnis, nicht das Raten.
Welche Strategie passt?
In der Klausur steht nie dabei, welche Strategie gemeint ist. Diese Zuordnung von Situation zu Strategie musst du selbst mitbringen.
Stolperfallen
Die meisten Fehler stammen aus einer kurzen Liste immer gleicher Verwechslungen. Geh sie vor der Klausur durch.
Grundlagen & Markt
- Marketing auf Werbung verengen – es umfasst den ganzen Prozess der Wertschaffung.
- Bedürfnis und Wunsch gleichsetzen: der Wunsch ist das kulturell geformte Bedürfnis.
- Den relevanten Markt zu eng oder zu weit abgrenzen, statt problemlösungsorientiert.
Strategie
- Die Ansoff-Felder vertauschen – vor allem Marktentwicklung (neuer Markt) und Produktentwicklung (neues Produkt).
- STP durcheinanderbringen: erst segmentieren, dann targeten, dann positionieren.
- Porters Strategien vermischen; wer keine konsequent verfolgt, bleibt „stuck in the middle".
Marketing-Mix (4 P)
- Skimming und Penetration verwechseln: hoch einsteigen gegen niedrig einsteigen.
- Kosten als Preisobergrenze ansehen – sie sind die Untergrenze, der Nutzen die Obergrenze.
- Place mit dem Ort des Ladens verwechseln; gemeint sind Vertriebskanäle und Distribution.
- Bei der Werbung mit der Gestaltung beginnen statt mit einem klaren Ziel.
Beziehungen
- CRM auf eine Software reduzieren – gemeint ist der Aufbau langfristiger, profitabler Beziehungen.
- Nur auf Neukunden schauen; Kundenbindung ist meist günstiger und wertvoller.
So lernst du das
Denke im Marketing-Prozess
Verstehen, Strategie, Marketing-Mix, Beziehungen, Wert zurückgewinnen – diese fünf Schritte sind das Gerüst. Jedes Thema lässt sich einem Schritt zuordnen; wer die Reihenfolge kennt, verliert nie den roten Faden.
Präg dir die vier P als Einheit ein
Produkt, Preis, Promotion, Place gehören zusammen und müssen zur Strategie passen. Übe, zu einer Positionierung den passenden Mix zu skizzieren – genau das wird in Fällen abgefragt.
Lerne die Modelle als feste Raster
Ansoff (vier Felder), Porter (drei Strategien, fünf Kräfte), STP (drei Schritte). Wer die Struktur im Kopf hat, kann jeden Fall einsortieren, statt einzelne Begriffe zu raten.
Nutze die Karteikarten themenweise
Filtere die Karteikarten auf ein Thema und arbeite es zu Ende. Kleine Portionen mit sofortigem Selbsttest bringen mehr als einmaliges Durchlesen der Folien.
Simuliere die Prüfung mit dem Quiz
Mach das Quiz erst nach einem Block und lies bei jeder Frage die Begründung – auch bei den richtigen. Die Fragen, bei denen du danebenlagst, zeigen dir genau, welchen Block du noch einmal brauchst.